Google und das gespaltene Verhältnis zum Datenschutz

Googles Dienste können von der US-Regierung abgehört werden. Damit ist der Internetkonzern durchsichtiger als bisher angenommen. Der Transparenzbericht hilft bei der Klärung nicht wirklich weiter. Doch welche Alternativen zu Hangout gibt es?

Dass Google Suchanfragen seiner Nutzer speichert, um anschließend möglichst zielgruppenorientierte Werbung schalten zu können, ist längst bekannt. Nun hat Christopher Soghoian neue Details zu Googles Verhältnis zur Datenspionage aufgedeckt. Er ist Mitglied der Organisation The American Civil Liberties Union (ACLU). Diese Organisation setzt sich für viele verschiedene Bürgerrechte ein, unter anderem für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und den Schutz der Privatsphäre.

Bislang hielt sich Google sehr bedeckt, was die Möglichkeiten der Ausspähung des Video-Konferenztools Hangout betrifft. Es hieß, dass die Daten überschlüsselt übertragen würden. Auf welcher Grundlage das geschieht, war aber unklar. Soghoian bekam eine offizielle Stellungnahme vom Direktor für Strafverfolgung bei Google, Richard Salgado. Darin heißt es: „There are legal authorities that allow the government to wiretap communications.” Im Klartext bedeutet das, dass die NSA juristisch gesehen Zugang zu Gesprächen erhalten kann.
Das Vice Magazine ging daraufhin noch einen Schritt weiter in der Recherche und bekam von Google eine eindeutige Stellungnahme. Anders als bisher behauptet, benutzt Google gar keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (auf Englisch: „End-to-End-Encryption“). Das heißt nichts anderes, als dass es für die NSA auch technisch kein Problem darstellt an Daten heranzukommen.

Fakt ist, die NSA kann Videokonferenzen speichern und auswerten. In welchem Umfang das bisher geschehen ist, lässt sich schwer sagen. Zwar legt Google in regelmäßigen Abständen von sechs Monaten seinen Transparenzbericht vor. Ob die Zahl der zurückverfolgten Gespräche aber tatsächlich stimmt, ist zweifelhaft. Im Jahr 2014 wurden in den USA laut eigenen Angaben 21 Gespräche abgehört. In Deutschland gab es im gesamten letzten Jahr 6.456 Auskunftsersuche zu Nutzerdaten. Eine etwas detailliertere Auflistung gibt es nur für das zweite Halbjahr 2014. Demnach gab es 30 Anfragen Daten zu speichern, um sie bei einem Gerichtsverfahren verwenden zu können.

Doch welche Anwendungen sind eine Alternative und benutzen eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung? Ein Beispiel dafür ist das in den letzten Monaten oft besprochene Threema. Die Stiftung Warentest beurteilte Threema 2014 als einzige Messenger-App unkritisch beim Datenschutz. Apple-Nutzer können auch Signal benutzen. Edward Snowden selbst empfahl diese App. Die Daten sind auch ungesendet im Smartphone verschlüsselt, wenn ein Passwort aktiviert wird. Doch auch für Android-Nutzer gibt es Alternativen. Textsecure zum Beispiel verwendet das Axolotl-Protokoll, eine Weiterentwicklung von OTR (Off-the-Record). Damit ist es nicht möglich später herauszufinden, ob der Gesprächspartner eine gewisse Aussage getätigt hat oder nicht. Und auch Redphone ist bisher nur für Android verfügbar.

Foto: downloadsource.fr; CC-BY 2.0

Weitere Informationen unter:

https://www.google.com/transparencyreport/userdatarequests/US/
http://www.golem.de/news/verschluesselung-snowden-empfiehlt-textsecure-und-redphone-1403-105052.html

Annalena Dörner

Annalena Dörner studiert Journalismus in Mainz. Nebenher ist sie freie VJ bei der Verlagsgruppe Rhein Main. Im Internet verbringt sie nicht nur privat viel Zeit. Sie ist noch unerfahren, was Verschlüsselungstechniken angeht. Für „Don’t watch me“ wird sie verschiedene Methoden testen und nach Alternativen zu den Großkonzernen wie Google und Whats App suchen.

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